Bürgerinitiative gegen Fluglärm, Bodenlärm und Umweltverschmutzung
Kampfjetlärm im Saarland und angrenzenden Rheinland-Pfalz
Fluglaerm

Der TRA LAUTER-Skandal

Aktualisiert am 22.05.2015.

Nur ein bisschen Kampfjetlärm? Oder ein handfester Skandal mit Beteiligten, die das Grundgesetz mit Füßen treten?

Worum geht es überhaupt?

TRA LAUTER
TRA LAUTER

Die Re­gi­on Ei­fel/Westpfalz/Saarland liegt un­ter meh­re­ren, sich über­lap­pen­den Luf­träu­men, in de­nen Kampf­jets ohne jeg­li­che Lärm­be­schrän­kung flie­gen dür­fen. Zwei da­von ha­ben Na­men: TRA LAUTER und POLYGONE. Die Flü­ge um­fas­sen Ab­fang­jag­den (mit und ohne Nach­bren­ner), Tief­flü­ge, Über­schall­flü­ge mit Knall und Flü­ge ir­gend­wo da­zwi­schen, z.B. tie­fe Flü­ge, die nicht als Tief­flü­ge ge­zählt wer­den. Dazu kom­men Ver­sor­gungs- und Übungs­flü­ge schwe­rer Trans­port­ma­schi­nen der US-Air­for­ce und deut­sche Trans­por­te von Fall­schirm­sprin­gern. Ohne be­son­de­re Ge­neh­mi­gun­gen dür­fen Übungs­flü­ge mit Kampf­jets un­ter Missach­tung der üb­li­chen Mit­tags- und Nachtru­he durch­gän­gig bis 23.30 Uhr (Ok­to­ber bis April) oder bis 21.00 Uhr (Mai bis Sep­tem­ber) un­ter Auss­per­rung des zi­vi­len Ver­kehrs von 3000 Me­tern Höhe auf­wärts ohne Ankün­di­gung und Men­gen­be­schrän­kung durch­ge­führt wer­den. Außer­halb die­ser Zei­ten und Höhe – ins­be­son­dere un­ter 3000 Me­tern – darf eben­falls be­lie­big laut und lan­ge geübt wer­den, nur muss das Mi­litär dann auf den zi­vi­len Flug­ver­kehr ach­ten.

Wo ist das Problem?

TRA LAUTER
TRA LAUTER: Täter und Opfer

Da es außer­halb der un­mit­tel­ba­ren Um­ge­bung von Flug­hä­fen ju­ris­tisch ge­se­hen kei­nen Fluglärm gibt, gibt es auch kei­ne Be­schrän­kun­gen der Lärmstär­ke und Dau­er. Das führt dazu, dass die Men­schen der Re­gi­on an 222 von 253 un­ter­such­ten Werk­ta­gen des Jah­res 2008 mi­litäri­schen Fluglärm er­tra­gen muss­ten, da­von an 22 Ta­gen noch zu­sätz­lich zwi­schen 18.00 und 20.00 Uhr und an 49 Ta­gen von 20.00-22.00 Uhr. Lei­der gab es auch Flü­ge nach 22.00 Uhr im Win­ter so­wie Ver­let­zun­gen der 21.00 Uhr-Gren­ze im Som­mer. Eine be­son­de­re Be­las­tung liegt dar­in, dass es kei­ne den Bür­gern zugäng­li­chen Flug­plä­ne gibt. Da­her gibt es bis zum späten Abend kei­ne Ent­span­nung, und je­des klei­ne Geräusch ver­setzt den Kör­per in einen Stress­si­tu­a­ti­on, weil er sich auf eine er­neu­te Lär­mat­ta­cke vor­be­rei­tet – ob sie dann kommt oder nicht.

Auch am Wo­che­n­en­de gibt es kei­ne Ruhe, da der Flug­be­trieb der US-Air­ba­se Ram­stein rund um die Uhr ge­neh­migt ist, auch nachts. Grün­de konn­te uns we­der das Ver­bin­dungs­büro der Air­ba­se noch die ge­neh­mi­gen­de Behör­de Wehr­be­reichs­ver­wal­tung West nen­nen, so dass als Zu­sam­men­fas­sung nur bleibt: Sie flie­gen, weil sie dür­fen, und sie dür­fen, weil sie wol­len.

Gibt es noch andere gesundheitliche Belastungen?

POLYGONE
POLYGONE

Zur Radar­täu­schung wer­den trotz Ver­bots so­ge­nann­te Düp­pel oder Chaff aus­ge­bracht, das sind alu­mi­ni­um­be­schich­te­te Glas­fa­sern, die ge­le­gent­lich auch vom Wet­ter­ra­dar er­fasst wer­den. Das Aus­brin­gen darf ei­gent­lich nur über dem Meer und Trup­penü­bungs­plät­zen er­fol­gen, wur­de aber nach­weis­lich im Fe­bru­ar 2008 über der Re­gi­on durch­ge­führt und ist auf­ge­fal­len, weil ei­ni­ge Kar­tu­schen nicht rich­tig de­to­niert sind, so dass das Ma­te­ri­al bü­schel­wei­se über der Pfäl­zer Ge­mein­de Schopp her­un­ter­kam. Aber auch wenn es über dem Meer aus­ge­bracht wird, kann es über be­wohn­tem Ge­biet nie­der­ge­hen. Weil die­se Glas­fa­sern nicht durch die Lun­ge ins Blut ge­hen, be­haup­tet das Mi­litär, sie sei­en un­be­denk­lich.

Wer fliegt denn da? Und warum?

Die größte Be­las­tung mit Kampf­jets geht von der US-Air­ba­se Spang­dah­lem in der Ei­fel aus, dicht gefolgt vom Fliegerhorst Büchel, ebenfalls aus der Eifel und mit Spe­zi­ali­sie­rung auf die Ver­lär­mung des Abends. Für die­se ist es be­quem, qua­si vor der Haustür zu üben. Wenn sie nicht flie­gen, lässt der Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter an­de­re Aus­län­der flie­gen, z.B. Bel­gier, Nie­der­län­der, Ita­lie­ner, Ru­mä­nen aber auch Schwei­zer. Die Bun­des­luft­waf­fe aus Nör­ve­nich, Ja­gel und an­de­ren Flie­ger­hors­ten fliegt hier eben­falls. Manch­mal ist der Treib­stoff­ver­brauch doch nicht so wich­tig. Vor­wän­de für die Lärm­kon­zen­tra­ti­on sind ei­ner­seits prak­ti­scher Art, wie die räum­li­che Nähe zur Air­ba­se Spang­dah­lem und zum Flie­ger­horst Bü­chel, an­de­rer­seits po­li­tisch mo­ti­viert, wie die Mi­ni­mie­rung des Pro­tests durch Mi­ni­mie­rung der An­zahl der Be­trof­fe­nen, oder ein­fach er­lo­gen, wie die omi­nö­sen „Flug­mus­ter“, die man nur in der TRA LAU­TER flie­gen kön­ne. Offizielle Zah­len über die rei­nen Flug­stun­den sind der Ant­wort auf eine Klei­ne An­fra­ge der Grü­nen im rhein­land-pfälzischen Land­tag zu ent­neh­men.

Wie sehen die Opfer die rechtlichen Aspekte?

Lärm in die­ser Kon­zen­tra­ti­on macht krank. Das Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um strei­tet natür­lich al­les ab, so­gar die Schäd­lich­keit von Chaff, mehr­ma­li­ges nächt­li­ches Ge­weckt­wer­den der über­flo­ge­nen Bür­ger oder den in­fer­na­li­schen Lärm von Tief­flü­gen – da ist das Abstrei­ten der Schäd­lich­keit des Dau­er­dröh­nens durch Ab­fang­jag­den (auch mit Nach­bren­ner) oder der Über­schall­knal­le bloß ein Mo­sa­ik­stein im leicht zu durch­schau­en­den Lü­gen­ge­bäu­de. Im­mer­hin muss­te die Ar­beits­grup­pe, die auf Druck der Op­fer im De­zem­ber 2008 erst­ma­lig mit dem Ziel der Lärm­min­de­rung auf der Hardthöhe zu­sam­men­kam, end­lich zu­ge­ben, dass die Lärm­be­las­tung der Re­gi­on mit mi­litäri­schem Fluglärm die bun­des­weit höchs­te ist. Wohl­ge­merkt – es han­delt sich nicht um eine Ein­flug­schnei­se son­dern um den Le­bens­raum von ca. 2 Mil­lio­nen Men­schen.

Die krank ma­chen­de Lärm­kon­zen­tra­ti­on stellt da­mit eine dau­er­haf­te Ver­let­zung der Grund­rech­te auf kör­per­li­che Un­ver­sehrt­heit und Gleich­be­hand­lung dar.

Was gibt es noch für rechtliche Aspekte?

Hier üben­de US-Staf­feln wer­den nach den Übun­gen zum Ein­satz in die Krie­ge der USA in den Na­hen Os­ten ver­legt. Die­se Krie­ge ha­ben als An­griffs­krie­ge auf sou­ve­räne Staa­ten be­gon­nen, auch wenn sie nachträg­lich durch Ver­ein­ba­run­gen mit Ma­ri­o­net­ten­re­gie­run­gen zu le­gi­ti­mie­ren ver­sucht wur­den. Da­mit ist die Un­ter­stüt­zung die­ser Krie­ge, z.B. durch Über­las­sung des Luf­traums für Übungs- und Ver­sor­gungs­flü­ge, grund­ge­setz­wid­rig. Der Luf­traum muss für die Mehr­zahl der US-Mi­litär­flü­ge ge­sperrt wer­den.

Wie könnte eine Lösung aussehen?

Ein Teil der Lö­sung er­gibt sich di­rekt aus der Fra­ge, was US-Trup­pen hier noch zu su­chen ha­ben. Ei­nen Bei­trag zur Ver­tei­di­gung des Lan­des leis­ten sie nicht, im Ge­gen­teil. Sie er­zeu­gen Leid im Na­hen Os­ten und säen Hass, der zu ter­ro­ris­ti­schen An­schlä­gen führen kann. Dass die US-Trup­pen die Ge­fahr als real an­se­hen zeigt sich dar­in, dass sie ihre AD- und HK-Au­to­kenn­zei­chen durch ortsüb­li­che er­set­zen, um außer­halb ih­rer Ba­sen schwe­rer er­kenn­bar zu sein und die deut­sche Zi­vil­be­völ­ke­rung als le­ben­de Schutz­schil­de zu nut­zen.

Aber selbst wenn die US-Ba­sen nicht so­fort ge­schlos­sen oder zur zi­vi­len Nut­zung kon­ver­tiert wer­den, ist das dicht be­sie­del­te Deutsch­land der denk­bar schlech­tes­te Ort, um aus­län­di­sches Mi­litär hier mit Kampf­jets her­um­lär­men zu las­sen. Auch die Bun­des­luft­waf­fe muss das nicht. Die weitaus meis­ten Flü­ge sind ver­la­ger­bar, z.B. über das Meer oder ge­eig­ne­te Einö­den von Part­ner­staa­ten.

Der ge­rin­ge Rest der Flü­ge über be­sie­del­tem Ge­biet kann dann or­dent­lich ge­plant, an­gekün­digt und über ganz Deutsch­land (und da­mit mei­nen wir nicht bloß ein paar Lärm­re­ser­va­te) ver­teilt wer­den, so dass je­der nur ge­rin­ge Be­las­tun­gen er­tra­gen muss. Si­cher wird das Mi­li­tär Grün­de (er)fin­den, warum das über­haupt nicht geht, und der Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter wird be­fürch­ten, dass er dann Be­schwer­den von Men­schen be­kommt, die die­sen Lärm nie kann­ten. Da die sta­ti­schen Übungs­zo­nen ein­ge­rich­tet wer­den konn­ten, gibt es aber kei­nen Grund, sie nicht wie­der auf­lö­sen zu kön­nen und dafür den Luf­traum so zu nut­zen, dass alle Men­schen gleich­mäßig und mo­de­rat be­las­tet wer­den. Wenn der Ver­tei­di­gung­mi­nis­ter we­gen mög­li­cher Pro­tes­te Angst hat, Übun­gen über dem Wann­see, dem Starn­ber­ger See oder dem Bo­den­see ab­zu­hal­ten, dann darf er sie auch nicht über dem Los­hei­mer Stau­see oder dem Bos­tal­see im Saar­land ab­hal­ten.

Die be­trof­fe­nen Men­schen wer­den nicht ihre Ge­sund­heit und Le­bens­qua­lität auf­ge­ben, da­mit aus­län­di­sches und deut­sches Mi­litär be­quem auf ihre Kos­ten den Krieg über ih­ren Köp­fen üben kann. Wie lan­ge lässt der Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter den Krieg ge­gen einen Teil sei­ner Bür­ger und ge­gen das Grund­ge­setz noch zu?

Nutzungspläne für die Übungslufträume
Pla­nun­gen für Saar­land und Rhein­land-Pfalz im SAARTEXT
Flightradar24Flightradar24 mit zivilen Flügen in Echt­zeit
ADS-B ExchangeADS-B Exchange mit allen Flügen in Echt­zeit
Radarbox24Radarbox24 mit allen Flügen in Echt­zeit